2019/15/09

Wie machst Du, dass sie gehorchen? Vom Grenzensetzen...

Etwas Alltägliches im Mamaleben ist das Zurechtweisen der Sprösslinge, das Grenzensetzen, dass die Kinder keinen Unfug treiben und vor Gefahren geschützt werden. Das Grenzensetzen gehört zur hohen Kunst des Erziehens und kann zur extremsten Herausforderung mutieren. Wie wir diese anpacken können, verrät Euch Chilloutmama anhand ihrer 8 Geheimnisse. Nehmt mit, was Ihr brauchen könnt und was nicht, das lasst bleiben (Anwendung auf eigene Gefahr).


Chilloutmamas secret 8


Geheimnis 1: Beziehung kommt vor Erziehung

Um ein Kind zu erziehen und erfolgreich Regeln durchzusetzen, ist die Beziehung zu ihm essentiell. Damit gemeint ist eine Beziehung, welche auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen basiert. Auch die Einstellung "du bist in Ordnung wie du bist" gehört dazu sowie Zeit und Achtsamkeit für das Mini-Menschlein.


Geheimnis 2: Ein klarer Rahmen mit Grenzen

Dieser Rahmen sollte nicht zu eng sein, aber auch nur so weit gesteckt, dass sich die Eltern auch noch wohl fühlen. Darin darf das Kind dann viele Freiheiten haben. Die Grenzen sollten für das Kind klar sein, also nicht an einem Tag so und am anderen Tag wieder anders. Regeln sind jedoch nicht für immer in Stein gemeisselt, dürfen abgeändert oder gestrichen werden, sobald sie nicht mehr den Bedürfnissen entsprechen oder nicht mehr altersgerecht sind.

Als Chilloutmamas Kinder den Desser-Tag von Donnerstag auf Freitag verschieben wollten, war das völlig in Ordnung (wen interessierts!) und wurde gleich so umgesetzt.

Tipp: Die Regeln je nach Alter mit dem Kind zusammen aufschreiben oder malen und dann aufhängen. So sind die Sprösslinge umso motivierter, diese dann einzuhalten und erinnern oftmals sogar die Eltern daran, wenn diesen mal Übertritte passieren.


Geheimnis 3: Alternativen bieten

Wenn es auf dem Sofa und dem Elternbett nicht erlaubt ist zu hüpfen, ist es ein Segen, dafür eine Alternative zu bieten wie eine Matratze auf dem Boden des Kinderzimmers, welche als Hüpfmatte genutzt werden kann. Oder ein kleines Trampolin usw.

Wenn dann der Nachwuchs auf dem Sofa hüpft kann man das unterbinden und auf die Alternative hinweisen: "auf der Hüpfmatte darfst Du hopsen gehen".


Geheimnis 4: Die Art der Kommunikation

Das ist ein ausschlaggebender Punkt und in der Hitze des Gefechtes alles andere als einfach. Chilloutmama hat da schon tausend Fehler gemacht, aber gibt nicht auf und optimiert und reüssiert von Tag zu Tag mehr. Die Kunst ist dabei, den Nachwuchs so masszuregeln, dass er weiss "ich bin ok, aber mein aktuelles Verhalten nicht".

Wenns gefährlich wird, wie an der Strasse oder so, dann einfach raus damit, "stop!" was auch immer. Ansonsten fährt Chilloutmama gut, wenn sie beim Zurechtweisen in Ich-Botschaften spricht und dabei ihr Bedürfnis, Gefühl und ihren Wunsch kundgibt, wie: "Timmy, ich möchte nicht, dass du auf dem Sofa herumhüpfst, weil ich traurig wäre, wenn das Sofa kaputt ginge, bitte geh aufs Hüpfmätteli herumhopsen!" So zu plappern braucht Training. Aber wenn es einem nur schon mal bewusst ist, ist schon viel getan.

Anbzuraten ist vom Grenzensetzen mit der Angstmach-Strategie, da geht der Schuss nach hinten raus. Also der Spruch, der vor drei Jahrzehnten mal modern war, ist eher hinderlich: "Sei leise und schlaf jetzt, sonst kommt der böse Mann, steckt dich in einen Sack und hängt dich auf den Baum." Kurzfristig mag das ein Kind zum Stillsein bringen, aber das Ziel ist es ja nicht, unsichere Angstbündel grosszuziehen, die aus Furcht und nicht aus Vernunft Regeln einhalten.  


Geheimnis 5: Die Erwartungen runterschrauben

Chilloutmama setzt eine Grenze und ihr Heranwachsender gehorcht nicht? Sie erwartet schon lange nicht mehr, dass ihr Mini-Me immer gehorcht, er ist eben ein Kind! Und sowieso, wir Erwachsenen gehorchen ja auch nicht immer, fahren zu schnell Auto, nehmen in Zürcher Parks die Hunde nicht an die Leine und fahren auf dem Gehsteig Velo. Also ihr macht das wahrscheinlich alles nicht, aber ihr kennt sicher jemanden der das macht, also der Freund der Freundin ihres Cousins und so!

Auf jeden Fall chill out, Mama, wenn die Kleinen nicht parieren. Einfach dranbleiben und wiederholen oder wenn's nichts gefährliches ist, so tun als würdet ihr es nicht mehr sehen und nen Kaffee rauslassen. Beim Sofabeispiel würde es dem Kind dann plötzlich langweilig werden, denn wenn Kindlein weiterhüpft und Mama plötzlich den Fokus auf der Kaffeemaschine hat, ist's halt plötzlich uninteressant. Dann würde es aufhören und zur Hüpfmatte wechseln. Passiert übrigens gar nicht so selten! Und falls es immer weiterhüpft und immerzu und immerfort bis das Sofa eine grosse Delle hätte, dann hätte das Sofa eine grosse Delle. "Wenigstens sind wir alle gesund", würde man dann sagen, oder "ist doch nur etwas Materielles, Hauptsache wir lieben uns alle (Peace and Love)!"


Geheimnis 6: Vorbild sein

Habt ihr Euch auch schon mal geärgert, wie euer Kind frech herumwettert und dann realisiert, dass es genau wie ihr spricht, gestikuliert und Mimik betreibt? Kinder ahmen ihre Vorbilder nach. Deshalb unbedingt als Eltern die Regeln ebenso einhalten. Chilloutmama hat mal ihre weintrinkenden Schwiegereltern freundlich vom Sofa zum Esstisch verschoben, da Getränkekonsum auf dem Sofa bei ihr untersagt ist (das würde sonst dauernd triefen und kleben...). Der Schwiegervater hat gemurrt, aber Chilloutmama war es wichtiger, dass die Erwachsenen als Vorbilder agieren. Auf keinen Fall will sie sich von ihrer Brut anhören müssen: "aber Grosspapi und Grossmutti durften auch auf dem Sofa trinken, drum mach ich das jetzt auch!"


Geheimnis 7: Mutter und Vater treten als Team auf

Wann immer möglich, als Eltern vor den Kindern bezüglich der Regeln einer Meinung sein. Bei Ungereimtheiten diese in Abwesenheit der Sprösslinge ausdiskutieren, damit das Mami-Papi-Team glaubwürdig bleibt.


Geheimnis 8: Humor

Es ist nicht immer lustig und nicht immer einfach. Verpackt man die Zurechtweisung jedoch mit Humor, lockert das alle Beteiligten auf.  Klein Wirbelwind steht während des Essens vom Tisch auf, tanzt um ihn herum und singt dabei, was ich eigentlich total cool finde. Aber da Chilloutmamas Tischregeln verlangen, dass die Hauptspeise am Tisch genossen wird, muss das Mädel nun wieder auf seinen Stuhl. Chilloutmama versuchts mit Humor: "Hey, ist da ein Tanzbär unterwegs? Ja hat der denn schon fertig gegessen?" "Nein." "Dann tanz doch noch ne Runde zu deinem Stuhl zurück, haha!" Das wäre ein Versuch wert, anstatt etwas wie "Herrgottnochmal, jetzt sitz endlich wieder auf den Stuhl, wie oft muss ich Dir denn das noch sagen!" (Bei kleinen Kindern muss man es echt extrem oft sagen und sie gehorchen trotzdem nicht oder nicht immer, folglich nützt es auch nichts, ihnen das stets vorzuwerfen, wie Chilloutmama realisiert hat. Aber irgendwann lernen es die Kleinen auch, glaubt mir. Es braucht aber auf jeden Fall Ausdauer, zum Teil bis 28 Jahre).

Mit dem Humor verhält es sich übrigens immer wieder anders. Heute kann er total gut ankommen, morgen dafür voll das Gegenteil bewirken. Das ist das Spannende. Man weiss nie wirklich, wie es rauskommt. Aber versuchen lohnt sich, denn dann ist es mindestens für einen selber ein wenig lustiger.


Ich habe diese 8 Geheimnisse ausprobiert und sie funktionieren oft ziemlich gut. Aber manchmal hilft auch einfach nichts davon.

Dann tief durchatmen und sich sagen: chill out, Mama!

Autorin: Priska Michaud

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