2019/08/11

Weniger Smartphone, mehr Zufriedenheit

Der ständige Begleiter und innigste Partner ist heutzutage bei vielen Menschen das Smartphone. Es wird ständig in der Tasche überall  mitgenommen, darf beim Essen und sogar im Schlafzimmer oder der Toilette dabei sein. Das ganze Leben ist darin organisiert und es ist das Kontakt-Organ zur Aussenwelt. Ein Fluch oder Segen?


Für mich ein Fluch. Ich bin zwischendurch mal fast durchgedreht. So viele Nachrichten und dauernd hab ich zum Smartphone gegriffen, weil ich dachte, ich check mal meine Nachrichten, obwohl ich sie schon vor zwei Minuten kontrolliert hatte. Und plötzlich merkte ich: hey jetzt hab ich verpasst, was mir mein süsses Kind gerade erzählt hat. Da realisierte ich, dass mich dieses Gerät nicht glücklich macht und es sogar dazu verführt, das echte Leben zu verpassen.


Ein Bereich mehr, den es zu managen gilt. So viele Disziplinen, welche wir uns aneignen dürfen.


Kinder kann solch ein Gerät schnell mal nervös und aufmüpfig werden lassen: Mama hat ja fast keine Zeit für mich, kann es dann im Kind denken. Kaum ist der Nachwuchs mal kurz still, so wird das alleskönnende Gerät hervorgenommen und darauf herumgetöggelt. Soll ich gleich zurückschreiben oder später? Aber Inga wartet doch auf meine Antwort und wenn ich nicht gleich schreibe, denkt sie, ich hätte sie nicht so lieb. Und in der Turnergruppe muss ich wie die 20 anderen auch noch "Happy Birthday Lotti" in den Chat schreiben, sonst findet der Frederick, ich sei eine unzuverlässige Gestresste.


"Schluss damit!" dachte ich mir. Und eliminierte noch am gleichen Tag meine Gratis-Nachrichten-App. Die Kunst des sorglosen Lebens besteht nämlich in der Elimination von Dingen, die nicht zu einem gehören. Wie überliefert wurde, hat Michelangelo diese Strategie schon angewandt, als er die Skulptur von David gefertigt hat. Er meisselte alles weg, das nicht David war. Und so entstand dieser wunderbare Augenschmaus.


Zufälligerweise stiess ich noch am gleichen Tag auf das Buch von Catherine Price über den gesunden Umgang mit dem Smartphone. Man muss das multifunktionale Gerät nicht gleich in den Abfall schmeissen, nur die Beziehung zu ihm ein wenig umgestalten. Das habe ich alsdann ausprobiert und bin seither präsenter und ausgeglichener.


Nebst dem Löschen der Gratis-Sms-App haben mir drei Massnahmen dabei geholfen:


1. Smartphone-Verbot am Esstisch und im Schlafzimmer. Essen ungestört zu geniessen und dabei mit den Familienmitgliedern zu sprechen, ist echt schön und trägt zu einem ausgeglichenen, glücklichen Leben bei. Für's Schlafzimmer einen echten Nicht-Smartphone-Wecker besorgen hilft, dass man nicht gleich kurz vor dem Schlafengehen und gleich nach dem Aufstehen Benachrichtigungen sieht, die einen stressen, beängstigen oder Sorgen machen lassen. Diese Massnahme begünstigt einen erholsamen Schlaf und das Zusammenleben mit dem Wesen, mit dem man das Bett teilt.


2. Geregelte Smartphone-Zeiten. Morgens kurz nach 7 Uhr schaue ich nur kurz auf den Sperrbildschirm, ob etwas von Kindergarten oder Schule reingekommen ist, mehr nicht. Erst um 9 Uhr kontrolliere ich einmal Nachrichten und Email. Dann erst wieder einmal nachmittags. Ab und zu schaue ich noch abends vor dem Nachtessen auf den Sperrbildschirm, aber sicher nach 20 Uhr nicht mehr. Auch das begünstigt den Schlaf, denn Smartphone-Konsum kurz vor dem Ins-Bett-Gehen würde das Gehirn aufgrund des hellen Bildschirms vom Schlafmodus abhalten und wie schon erwähnt, könnte man je nachdem auf Stress auslösende Nachrichten stossen. Sonntag ist bei mir Smartphone-Ruhetag, ich schaue es also gar nie an, ausser ich habe etwas abgemacht und muss dafür telefonieren oder eine Nachricht schreiben.


3. Ich habe alle Benachrichtigungen verschiedener Apps ausgeschaltet, ausser den normalen SMS-Dienst (diesen jedoch auf stumm). Die Anruf-Option habe ich tagsüber auf laut gestellt, vor dem Nachtessen wird diese jedoch auf lautlos geschaltet.


Diese Massnahmen sind ja wohl nicht ganz Hugo für unsere Zeit! Aber ich persönlich fühl mich gut damit und sage "chill out, Mama!"

Wie eine gesunde Beziehung zum Smartphone aussieht, ist natürlich individuell und variiert somit von Person zu Person. Aber vielleicht konnte ich Dich mit meiner Umsetzung inspirieren. Ich kann es also nur empfehlen.



Autorin: Priska Michaud

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