2018/22/09

Trotzendes Kind und Chill out?

Die Trotzphase -  das ist ein Thema für sich. In den Erziehungsbüchern steht, Kinder zwischen 2 und 4 Jahren seien davon betroffen. Das sind aber nur Richtwerte, die Trotzanfälle können auch schon früher auftreten oder auch noch lange nach dem ersehnten 4. Geburtstag vorkommen und die Eltern auf die Palme bringen. Und dann gibt es die Menschen, die ihr ganzes Leben lang nie aus dem Trotzen rauskommen.


Zum Glück hab ich keinen solchen Menschen geheiratet, dafür habe ich zwei Kinder. Gemäss dem bekannten Schweizer Kinderarzt Remo Largo gehören Trotzreaktionen zur normalen kindlichen Entwicklung und lassen sich mit den besten Erziehungsmethoden nicht vermeiden. Das sind ja gute Neuigkeiten!


Früher führte ich ein relativ harmonisches Leben. Ich war es deshalb überhaupt nicht gewöhnt, eines Tages von meinem Kind mit extrem unfreundlich-aggressiv klingendem Ton mit "Nein!" angeschrien zu werden, als ich sagte, wir gingen nun in den Supermarkt.


Der echte Renner sind Trotz-Szenen vor allem an Orten mit grösserem Menschenauflauf: Kind schreit, legt sich auf den Boden (der absolute Klassiker), alle rundherum schauen. Oder das Kind schreit, schlägt mit den Fäusten um sich, stampft und alle rundherum gaffen. Zumindest bilde ich mir jeweils ein, dass die Leute wohl gucken. Aber was soll ich in dieser Situation am besten tun?


Chilloutmama hat mir ein paar Tipps gegeben (Anwendung auf eigene Gefahr):


1. Die Situation benennen.

Kinder haben das Recht, Gefühle zu haben und zu zeigen. Sie trotzen, weil sie herausgefunden haben, dass sie ein Individuum sind und keine Symbiose mit der Mutter. Sie haben ihren eigenen Willen entdeckt und realisieren, dass der nicht immer mit dem seiner Umwelt übereinstimmt. Deshalb ist es wichtig, Botschaften an das Kind zu vermitteln, die seinen Selbstwert erhalten und nicht verletzen.

Also eher nicht: "Ach, nicht schon wieder! Steh jetzt sofort auf, sonst gibt's heute kein Dessert, gopfriedstutz, du Nervensäge!" (Sagt so etwas jedoch ein Opfer des notorischen Schlafmangels aufgrund Elternschaft, drückt Chilloutmama noch ein Auge zu. Denn das Belastbarkeits-Level bei diesen Menschen liegt signifikant unter dem Durchschnitt und es braucht wenig, um auszuflippen.)

Ein Trick ist, einfach zu benennen, was gerade ist, z.B.: "Ich sehe, du liegst am Boden und weinst und schreist ganz fest." So fühlt sich das Kind ernst genommen. Du kannst natürlich auch deine eigenen Worte benützen, damit es authentisch klingt. Falls nötig, kann auch noch eine Erklärung folgen, wie: "Du weinst jetzt ganz fest, weil ich gesagt habe, dass wir nun in den Supermarkt gehen. Aber weisst du, wir haben fast kein Essen mehr zu Hause, deshalb müssen wir dieses jetzt einkaufen gehen, um heute ein feines Nachtessen zu haben."


2. Beim Kind bleiben. Es in den Arm nehmen, falls es dies braucht und zulässt. Ansonsten neben ihm bleiben, bis es sich wieder beruhigt hat, auch wenn es lange dauert.


3. Aushalten und sich sagen, es ist ok so. Auch das geht vorbei. In ein paar Jahren zieht das Kind dann aus und du wirst traurig sein darüber.


Allgemeine Verhaltenstipps während der Trotzphase:


A) Kinder in der Trotzphase möchten gerne entscheiden. Auch wenn es nur zwischen zwei Dingen ist. Es hilft, ihnen die Auswahl zwischen zwei Dingen zu geben, die für Mama beide in Ordnung sind. Z.B. wenn es die Schuhe nicht anziehen will: "möchtest Du die Schuhe selber anziehen oder soll ich Dir helfen?" Oder beim Pullover: "Willst Du lieber den grünen oder den roten Pulli anziehen?


B) Nur die wichtigen Anliegen durchsetzen.

Ein Rahmen mit Grenzen ist wichtig für das Kind. Dieser sollte aber nicht allzu eng gesteckt sein, sonst bist du ununterbrochen am Zurechtweisen und noch mehr Trotzkrisen am Aushalten, was sehr ermüdend ist.


C) Close one eye. D.h. Mach ein Auge zu. Aber in dem Sinn, dass du so tust, als ob du mit einem Auge (oder gar nicht) gesehen hast, wenn der Nachwuchs Unfug getrieben hat. Wenn also Chilloutmama an einem Morgen schon 36 mal ihre Tochter gemassregelt hat und nun sieht, dass diese verbotenerweise auf dem Sofa herumhüpft, dann tut sie so, als hätte sie nichts gesehen und kann nun eine Massregel-Verschnaufpause einlegen. Und einen Kaffe aus der Maschine zaubern.


Und zum Schluss ein Spruch, den Du in der Kindererziehung immer wieder brauchen kannst:


"Liebe mich am meisten, wenn ich es am wenigsten verdiene, denn dann brauche ich es am dringendsten."


Autorin: Priska Michaud

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