2018/28/06

Mütter am Kaffeetrinken: Was da wirklich los ist

Als ich noch keine Kinder hatte, sah ich oftmals Mütter mit Babys und Kleinkindern in Cafés auf der Terrasse sitzen. Und ich musste nach der Mittagspause weiterarbeiten gehen! Ich dachte, so ein lockeres Leben hätte ich auch gerne.


Doch was ich damals noch nicht wusste: Der Schein trügt! Was ich da in den Cafés gesehen habe, waren nur kurze Momentaufnahmen. Mütter mit Kaffeetassen, süsse Babys, schönes Wetter.


Als ich dann einige Jahre später selbst mit meinem Baby in einem Café meine Tasse heissen Genuss trinken wollte, hatte es auch gleich Durst und wollte trinken (und ich: "Was, muss ich jetzt da im Café meine Brust auspacken?"). Darauf hatte mein Baby dann auch gleich die Windeln voll. Während der Kaffee erkaltete, war ich mit meiner kleinen Tochter beim Wickeltisch in der Toilette, wo ich sie zu wickeln versuchte. Jedes Mal jedoch, als der laute Händetrockner-Föhn ein paar Meter weiter genutzt wurde, schrie mein Baby wie am Spiess, dass mir und auch den händetrocknenden Frauen die Haare zu Berge standen. Ich war so abgelenkt beim Wickeln, und ständig kamen dann die händegetrockneten Frauen ganz besorgt zum mir und wollten wissen, was denn mit dem Baby los sei. Das war lieb gemeint, aber ich fand das echt anstrengend. So, ich wickelte so gut wie möglich zu Ende und wollte nur noch eins: nach Hause gehen.


Das hätte eine einmalige Geschichte sein können, ist es aber nicht. Denn ich habe erlebt und akzeptiert, dass es ganz natürlich ist, dass immer etwas läuft, wenn man mit dem Nachwuchs unterwegs ist. Vor allem, wenn sich die Kleinen dann selber fortbewegen können, ist die ganze Zeit, wenn sie wach sind, Action angesagt. Und viele kalte Kaffees.


Der amerikanische Autor Mark Manson hat mal geschrieben, dass ein Freund von ihm die Elternschaft beschrieben habe als: “Basically just following around a kid for a couple decades and making sure he doesn’t accidentally kill himself, and you’d be amazed how many ways a kid can find to accidentally kill himself.” Also dass Elternschaft sozusagen bedeutet, einem Kind für einige Jahrzehnte hinterherzufolgen, um sicherzugehen, dass es sich nicht versehentlich killt. Und du erstaunt wärst, wie viele Wege ein Kind finden kann, dies zu tun.


Trotzdem ist Kaffee trinken gehen, vor allem mit anderen Mamas, eine sehr tolle Sache. Man kann sich mit den Freundinnen austauschen, während die Kleinen untereinander Sozialkompetenz erlernen können. Aber ein bisschen locker und relaxen ist es auf jeden Fall nicht, sondern strenge, verantwortungsvolle Betreuungsarbeit mit wertvoller, sozialer Interaktion.


Autorin: Priska Michaud

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